USA #1 – Welcome to America

In welche Region reisen?

Grüße aus den USA! Ich habe bereits spannende eineinhalb Wochen in den Vereinigten Staaten hinter mir. Deshalb war es auch etwas still auf meinem Blog, aber die Arbeit und die ganzen Eindrücke haben mich etwas davon abgehalten, euch parallel an meiner Reise teilhaben zu lassen.

Es war nicht nur mein erster transatlantischer Flug, sondern ist auch mein erster Aufenthalt in Amerika. Wäre ich nicht aus beruflichen Gründen hierher gekommen, hätte ich meine Zeit wahrscheinlich nicht im Mittleren Westen verbracht. Gerade Missouri ist nun wirklich keine Touristengegend, was man aber auch einfach zu schätzen lernt, wenn man das Land und seine Leute unverfälscht kennenlernen möchte.

Facts about the US

Um mal gleich zu Beginn jegliche Spannung zu nehmen: Vieles ist so klischeehaft, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Und trotzdem ist es eine ganz andere Lebensweise. Oft hörte ich, Amerikaner hätten keine Kultur. Weder historisch noch kulinarisch. Das stimmt einfach mal überhaupt nicht. Ich habe durch die Reisen und vor allem Unterkünfte Gelegenheit mit vielen Leuten zu sprechen und eine Sache war immer Thema: Europäer sind viel bereister als Amerikaner. Und haben dadurch auch mehr Erfahrung was fremde Sprachen und Kulturen angeht. Wer in den USA lebt und noch nicht die Gelegenheit hatte das Land zu verlassen (abgesehen natürlich von den regionalen Unterschieden), kennt eben nur die Kultur in den Vereinigten Staaten. Aus solchen Gesprächen entwickeln sich dann lustige Geschichten, wenn dir ein junges Pärchen aus St. Louis versucht das Treiben am St. Patrick’s Day zu erklären und du ihnen Bilder vom Kölner Karneval zeigst. Aber genau das macht eine spannende Reise aus! 🙂

Aber zurück zu den Fakten:

Amerika ist groß. Um nicht zu sagen riesig. Mit einem Airbnb-Host habe ich herausgefunden, dass die Fläche Deutschlands noch nicht einmal so groß ist wie der Staat Alaska. Und auch wenn ich nicht ganz nachvollziehen kann, wie die Bevölkerungszahlen hier berechnet werden: selbst kleinere Städte sind riesig. Zumindest wenn man sie zu Fuß bezwingen möchte. St. Louis hat im Stadtkern gerade mal ein bisschen mehr als 300.000 Einwohner. Wenn man aber den Weg vom Delmar Loop nach Downtown zu Fuß aufnehmen möchte, versteht man ganz schnell, was das Wort Distanz bedeutet. Aus diesem Grund ist das Auto auch der beste Freund des Amerikaners und als Fußgänger wird man mehr als einmal schräg angesehen (weshalb die Bürgersteige auch meist einfach leer gefegt sind).

Auch die Erfolgsgeschichte von Fastfood und Klimaanlage ist leider bittere Wahrheit: McDonalds reiht sich an Wendy’s und Burgerking. Ich kann hier natürlich nur vom Mittleren Westen sprechen. Aber die Esskultur (natürlich gibt es auch Ausnahmen) ist grauenhaft. Und das liegt nicht daran, dass gesundes Essen nicht verfügbar wäre oder zu teuer. Fastfood ist nur einfach unschlagbar günstig (und viel günstiger als bei uns. Ich sage nur $1 $2 $3 Dollar Menu bei McDonalds). Noch schlimmer finde ich allerdings diese Frischluft- und Sonnenallergie. Viele Restaurants und Wohnungen haben den gesamten Tag die Rollos unten, die Fenster lassen sich nicht öffnen und die ‚Frischluftzufuhr‘ bestreitet eine Klimaanlage. Ich habe fast Luftsprünge in Minneapolis gemacht, als ich mein erstes Airbnb hatte, in dem sich das Fenster öffnen ließ (womit ich gleich mal den Alarm ausgelöst habe. Nun denn. Diese Europäer :D).

Für mich aber erfreulich: Specialty Coffee gibt es sehr häufig und auch wenn ich vermuten würde, dass er in Deutschland noch besser schmeckt (diese schreckliche Trinkwasserqualität kann mit Sicherheit kein Wasserfilter ausgleichen) ist er gemessen an der Portionsgröße günstiger (wie eben alles hier. Meist sind es 12 oder sogar 16oz. Bei uns bekommt man meist 8 oz, wenn es um Pour Over geht). Außerdem sind viele Attraktionen inkl. Museen eintrittsfrei!

Good to know

Aber welche Dinge sind denn für eine USA Reise nun unerlässlich? Auf jeden Fall eine Kreditkarte, die keine Extra Gebühren erhebt. Hier zahlt man sehr häufig mit Kreditkarte und gibt das Trinkgeld gleichzeitig mit an (welches übrigens mit 15-20% z.B. im Restaurant höher ist als in Deutschland). Ansonsten gibt es am Bankautomaten (ATM) Bargeld (Achtung: viele EC-Karten funktionieren hier nicht).

Außerdem solltet ihr IMMER euren Reisepass (nicht den Personalausweis/ID) bei euch haben. Es ist ganz normal, dass euch Polizisten auf der Straße ansprechen und ihr euch ausweisen müsst. Ist mir mittlerweile schon dreimal passiert. Und um in Pubs zu kommen muss man seinen Passport sowieso vorzeigen. Egal welches Alter.

Alle Amerikaner, die ich hier kennengelernt habe, waren super nette, hilfsbereite und interessierte Leute. Anfänglich fand ich die Freundlichkeit sehr befremdlich: total abgehetzt zum nächsten Schalter im Dschungel des O’Hare Airport in Chicago hechtend, fragt man mich zuerst ‚how was your day so far‘ (ich hätte am liebsten gesagt ’schau dir mein Gesicht bitte genau an und beantworte dir diese Frage selbst‘). Aber solche Floskeln begegnen einem häufig hier und selbst der Kassierer fragt, wie es einem geht. Natürlich ist das häufig oberflächlich gemeint und eine einfache Floskel, aber der Umgang miteinander ist dadurch einfach freundlicher. Diese Einstellung bringt aber noch etwas anderes mit sich, was ich in Deutschland unglaublich oft vermisse: Offenheit und Unkompliziertheit. Wie oft war der Check-In in der Unterkunft überhaupt kein Problem oder haben Hosts mich einfach an der Geryhoundstation eingesammelt.

Die Greyhound-Verschwörung

An dieser Stelle möchte ich mit einem Mythos brechen: mit dem Greyhound oder Jefferson Line Bus fahren ist weitaus weniger schrecklich, als man es häufig hört. Verspätung hatte ich bisher nur einmal, aber angesichts der Schneemassen hätte die Deutsche Bahn für eine Woche den Schienenverkehr nicht bedienen können und hier musste ich nur eine Stunde warten. Natürlich fahren auch seltsame Gestalten mit, was auch einfach daran liegt, dass die Fahrten so unglaublich günstig sind (z.B. 40$ für 500 Meilen). So lange man allerdings kein ‚layover‘ hat (sozusagen eine Anschlussverbindung, häufig beim Wechsel einer Nord-Süd-gebundenen Strecke in Richtung Westen oder Osten), läuft – so zumindest meine Erfahrung- alles glatt. Alternativ kann man auch den Zug nutzen. Allerdings bedient Amtrak weitaus weniger Ziele als die Fernbusse.

Innerhalb der Stadt – sollte man kein passionierter Fußgänger sein – lohnt es sich auf Uber oder Lyft zurückzugreifen. Per App gebt ihr euren Standort und euer Ziel an und ein Fahrer sammelt euch ein. Ähnlich wie Taxi, nur noch günstiger (obwohl Taxi fahren hier wirklich auch erschwinglich ist!).

Und zum Schluss noch eine leider traurige Beobachtung. Es stimmt leider wirklich, Umweltbewusstsein ist hier kaum vorhanden. Ständig werden Autos laufen gelassen (selbst beim Verlassen des Autos z.B. beim Abholen von Essen), Lampen brennen ununterbrochen und einfach alles ist in Plastik eingepackt. Ausgestattet mit Tupperware, Besteck und Stoffbeuteln habe ich versucht den Müll etwas einzuschränken. Aber wenn man in einem Café ein Getränk bestellt und dann einen to-go-Becher erhält, weil es einfach keine Tassen gibt sind das Momente, die mich sprachlos machen.

Auch wenn ich zumindest in diesem Teil des Landes nicht leben wollen würde (weil mir die Kultur einfach zu fremd ist und vielem widerstrebt, was ich als wichtig empfinde), nehme ich auf jeden Fall tolle Eindrücke mit.

Und die nächsten erreichen euch dann aus Missouri.

Bis bald,
Anna Lisa

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